Visionsentwicklung Ostersbaum: Stadtteilspaziergänge

A

n drei Visionsworkshops im Ostersbaum (Dezember 2020 bis Februar 2021) nahmen jeweils ca. 30 Bewohner*innen und Menschen aus Initiativen und Vereinen, Kultur, Wirtschaft und Politik teil. Sie diskutierten darüber, wie ihr Stadtteil gestaltet sein soll, damit ein gutes und nachhaltiges Leben möglich ist. Die Spaziergängerin Gabriele Kamp vom Nachbarschaftsheim wurde live von den digitalen Teilnehmenden durchs Viertel gelotst, um dort über Probleme, Wünsche und Visionen zu sprechen.

Neben Wünschen und Ideen für eine bessere Ausgestaltung des öffentlichen Raums (Bänke, Begrünung etc.) wurden auch Vorschläge für eine bessere Mobilität im Quartier gemacht (z.B. fehlende Zebrastreifen an vielbefahrenen Straßen und zugeparkte Gehwege). Da es bereits ähnliche Initiativen in anderen Stadtteilen gibt, wurde hier die Gründung des „Mobilen Ostersbaums“ und die Kooperation mit Mobiler Ölberg und Mobiles Wuppertal angeregt.

Der Wunsch nach einem Begegnungsort mit regelmäßigen kulturellen und sozialen Veranstaltungen mündete in die Gründung der sehr aktiven und lebhaften AG Café Global, ein Bücherschrank mit Büchern für Kinder und Erwachsene wird 2022 aufgestellt, die Kooperation mit dem Projekt ›Uptown Culture‹ des Sinfonieorchesters Wuppertal in die Initiative „Stadtteilorchester“.

Die Ergebnisse wurden live auf Jamboards festgehalten, wo die Teilnehmer*innen Ideen und Wünsche in eine Stadtteilkarte eintragen konnten. Hier ein Beispiel:

Visionen umsetzen: Nachbarschaftstreffen Ostersbaum

Wie würde der Ostersbaum aussehen, wenn die Bewohner*innen ihn selbst gestalten? Wenn sich Nachbar*innen zusammenschließen, um ihre Ideen vom guten Leben zu verwirklichen? Bei den regelmäßigen Nachbarschaftstreffen im Quartier Ostersbaum nahmen und nehmen Menschen teil, die aktiv werden wollen. In Teams wurde darüber gesprochen, wie ihr Alltag aussehen soll. Hier sprechen alle Nachbar*innen auf Augenhöhe miteinander – alle sind eingeladen, das Quartier mitzugestalten – mit ihren Ideen, Plänen und Themen – egal, ob klein oder groß, ob schrill oder brav, ob vage oder sicher …

Wie kann ein Zusammenleben gelingen, mit allen Generationen und mit den verschiedenen Kulturen im Quartier? Wie können noch mehr Ostersbaumer Straßen und Plätze zu Begegnungsorten werden, wie können bereits vorhandene Orte im Stadtteil besser für die Menschen dort entwickelt und genutzt werden? Wie wäre es, wenn die Kinder vor der Tür spielen können, weil sie Platz haben und willkommen sind? Wie können sich die Anwohner*innen allgemein besser informieren und unterstützen?
Beim „Tag des guten Lebens“ wurden die bereits entstandenen und sich entwickelnden Ideen und Projekte präsentiert. Der TDGL ist kein einmaliges Event, sondern beschleunigt Veränderungen vor unserer Haustür und in ganz Wuppertal. Er ist eine Chance, um selber mitzubestimmen – auch über den Tag hinaus.

AG Café Global

Aus dem Wunsch heraus, einen regelmäßigen Treffpunkt – nämlich ein Café im Quartier einzurichten, entstand im Februar 2021 die AG „Café Global“ mit wöchentlichen Online-Treffen mit ca. 8-12 Teilnehmer*innen. In dieser Gruppe engagieren sich zum großen Teil auch Frauen mit türkischem Hintergrund, die sich bereits darauf freuen, sich bald regelmäßig in der Caféteria im Nachbarschaftsheim treffen zu können. Geplant sind u.a. gemeinsames (nachhaltiges) Kochen, Urban Gardening, Ausstellungen, Filmvorführungen, Spiele-Abende, Hobby-Austausch etc. Ostersbaumer*innen können hier miteinander ins Gespräch kommen und sich kennenlernen sowie weiteren Interessenten begeistern.

Die erste öffentliche Veranstaltung fand online mit 23 Teilnehmer*innen statt. Gezeigt wurde der Film „Rum oder Gemüse“ über Ernährungssouveränität in Nicaragua und Kuba – mit anschließender Diskussion mit den Filmemacher*innen und interessierten Bewohner*innen des Ostersbaum sowie Vertreter*innen von Foodsharing, Urbaner Landwirtschaft und dem Wuppertaler Ernährungsrat.

Die zweite Veranstaltung war eine Online-Kochshow. Zwei Mitglieder der Café-AG bereiteten den türkischen Bulgursalat Kısır zu – live übertragen per Zoom. Die teilnehmenden 9 Zuschauer*innen konnten zu Hause live mitkochen, Fragen stellen und sich austauschen – nicht nur über das Rezept.
Weiterhin sollen offene wöchentliche Treffen im Café des Nachbarschaftsheims Wuppertal stattfinden, eine zusätzliche Nutzung, gerade für den interkulturellen Austausch. Alle Bewohner*innen des Stadtteils werden dazu eingeladen.

AG Stadtteil-Orchester für den Ostersbaum

In Kooperation des Nachbarschaftsheimes mit dem Projekt Uptown Culture des Sinfonieorchesters Wuppertal wird die Gründung eines Stadtteilorchesters mit Chor initiiert. Das Orchester will hier Kontakte schaffen durch und mit Musik: Raus aus dem Konzertsaal und rein in die Stadtteile – ›Uptown Culture‹ widmet sich besonders der kulturellen Stadtteilarbeit, vernetzt vor Ort Menschen miteinander und lädt sie zur Teilhabe ein. Seit Anfang 2021 treffen sich sechs Musiker*innen aus dem Ostersbaum und angrenzenden Quartieren mit Projektleiter Alexander Sojka von den Wuppertaler Bühnen und dem Projektteam des Nachbarschaftsheimes, um die nächsten Schritte für ein funktionierendes Orchester mit regelmäßigen Probenterminen zu planen: Interessierte müssen nicht unbedingt schon ein Instrument spielen oder bereits aktiv singen. Es zählen das Miteinander und der Kontakt mit Nachbar*innen. Auf dem Weg dahin wird dies in Workshops geprobt und einstudiert – außerdem gibt es dort auch Angebote für Anfänger*innen und Amateur*innen. Angeleitet werden sie hierbei durch Mitglieder des Sinfonieorchesters Wuppertal und Profi-Musiker*innen aus dem Stadtteil.

Einbezogen sind hier u.a. auch der Ostersbaumer Musiker Armin Alic mit bosnischen Wurzeln und Rukye Temel, Leiterin des türkischen Frauenchors am Nachbarschaftsheim sowie die Kulturwerkstatt der Alten Feuerwache (Cindia Krüger, Björn Krüger und Dörte Bald) mit ihrem interkulturellen Netzwerk im Ostersbaumer Quartier.

Corona-bedingt konnten keine Proben für eine Präsentation am Tag des guten Lebens stattfinden, dafür begleiteten Musiker*innen des Sinfonieorchesters einen Auftritt junger HipHop-Tänzer*innen aus der Nordstadt mit klassischer Musik, um die Distanz zur Hochkultur für die potentielle Zielgruppe zu verringern.
Ein erstes großes Mitmach-Konzert ist in Planung – mit Musiker*innen unterschiedlichster stilistischer Richtungen, kultureller Herkunft und Professionalität, um nicht nur das Projekt zu präsentieren, sondern auch, um allgemein Interessent*innen aus dem Quartier zu begeistern und zu gewinnen. Einer der Songs, die an diesem Tag gestaltet und präsentiert werden, ist übrigens „Imagine“ von John Lennon – in den unterschiedlichsten Sprachen.

AG Mobiler Ostersbaum

Einer der Themenschwerpunkte der sich seit Februar bis Juni 2021 wöchentlich treffenden AG mit ca. 8 – 12 Teilnehmenden ist die Installation einer Mobilstation mit Fahrradgarage inklusive Leih-Lastenrad und Carsharing-Stellplätzen am Platz der Republik. Gerade in den vielen Wohnhäusern ohne Straßenzugang zum Hinterhof sind Fahrradabstellmöglichkeiten rar. Ein weiteres Thema sind die teilweise zugeparkten Fußwege im Quartier. Parkplatznöte der PKW-Besitzer sind das eine, andererseits mangelt es an Platz für Fußgänger*innen mit großen Einkaufstaschen, Kinderwagen oder Rollstuhl. Hier will die AG durch Infoaktionen für mehr Rücksicht beim Parken werben, aber an besonderen Problemstellen auch Anträge für ein Parkkonzept an die Bezirksvertretung stellen (z. B. an der Oberstraße).

Auf dem Tag des guten Lebens organisierte die AG eine Parade zur Mobilität von morgen und präsentierte eine provisorische Mobilstation auf dem Platz der Republik. Außerdem war die AG Mitinitiatorin der Podiumsdiskussion über Mobilität. Eine Fahrradfahr-Lernaktion für türkische Frauen wurde ebenfalls initiiert. Des Weiteren haben Kinder aus der Grundschule Opphofer Straße zusammen mit der Künstlerin Andrea Raak Papp-Zebras gebaut und sie dort aufgestellt, wo sie sich mehr Sicherheit durch Zebrastreifen im Viertel wünschen. WDR Lokalzeit Bergisches Land (ab 25:40). Realisiert wird auch bald die Wandgestaltung des Trassenaufgangs Untersteinenfeld.

AG Bücherbox

Sechs Bewohner*innen aus dem Ostersbaum planen mit dem Bürgerverein Zukunft Ostersbaum e.V. eine Bücherbox auf dem Platz der Republik zu installieren. Bereits am Tag des guten Lebens konnten die Organisator*innen mit einer provisorischen Bücherbox in Form eines Bücherregals zahlreiche Menschen begeistern. In der geplanten Bücherbox – einer ausrangierten Telefonzelle – soll hauptsächlich (mehrsprachige) Literatur für Erwachsene zum Tauschen und Ausleihen angeboten werden. Nach dem Motto „Nimm eins, bring eins“ sollen alle Interessierten die Möglichkeit haben, ohne jegliche Formalitäten Zugang zu den Büchern zu bekommen.

Die Telefonzelle ist bereits bei der Firma Telekom bestellt und wird dort zurzeit aufbereitet. Aktuell wurde der AG Anfang 2022 als Abholungszeitraum genannt. Danach soll die Bücherbox auf dem Platz der Republik neben der Steinsitzgruppe stehen; auch die Stadt Wuppertal hat diesen Standort bereits genehmigt. Damit die Bücherbox Anfang 2022 genutzt werden kann, muss ein Fundament erstellt werden, um die Telefonzelle standsicher verankern zu können, außerdem müssen Transport sowie das Aufstellen der Zelle organisiert werden. Innenausbau sowie die äußere Gestaltung der Bücherbox wird die AG in Eigen-Regie übernehmen. Dafür und für die Fortführung des Projekts sowie Pflege und Instandhaltung der Bücherbox sucht die AG gerade noch Unterstützer*innen.

AG Wandgestaltung am Trassenaufgang Untersteinenfeld
»Wand des guten Lebens«

Im Rahmen der Visionsworkshops wurden von den dort teilnehmenden Ostersbaumer*innen Ideen für die Gestaltung des öffentlichen Raums in ihrem Viertel entwickelt. Dazu gehörte auch der Plan einer Neugestaltung des Trassenaufgangs Untersteinenfeld. Die Mauer ist grau und unscheinbar, der Aufgang zur Nordbahntrasse vielen unbekannt. Eine farbige Gestaltung kann hier mehr Aufmerksamkeit schaffen.  In den AG-Sitzungen, beim Ideenworkshop und am Tag des guten Lebens wurden von etwa sechs bis neun regelmäßig Teilnehmenden Ideen für die visuelle Umsetzung gesammelt. Die Entscheidung fiel auf den Entwurf der Künstlerin Andrea Raak, die den Beteiligungsprozess von Anfang an begleitet hat. Die Häuser einer „stilisierten Stadt“ bilden hier den Hintergrund für alle Ideen und Wünsche der Menschen für ein gutes Leben sowie ihrer Identifikation mit dem Quartier. Dazu können viele Ideen aus dem vorherigen Beteiligungsprozess integriert werden.

Nach Abstimmung und Vorarbeit der Stadtverwaltung wurde der Entwurf von Andrea Raak, gemeinsam mit interessierten Nachbar*innen, auf der Mauer aufgebracht. Stilisierte Häuser bilden dabei die Struktur und Grundlage für individuelle Visualisierungen. In den Wochen darauf konnten die Ostersbaumer*innen weitere Ideen (Symbole, Logos, Zeichen, Worte, Sprüche etc.) einbringen.