Ein Beitrag von Boris Bachmann

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (transzent) untersuche ich, wie Räume in der Stadt koproduktiv und gemeinwohlorientiert genutzt und gestaltet werden können. Im Fokus stehen dabei „Stadtmacher*innen“ – in der Regel zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich auf eigenen Antrieb in die Gestaltung der Stadt einbringen. Stadtmacher*innen sind dabei nicht nur Seismographen für Probleme vor Ort, sondern bringen eigene, greifbare Projekte voran, um die Stadt zu einem lebenswerteren Ort zu machen. Dabei schaffen sie Netzwerke, durch die weitere Akteure befähigt werden, Stadtentwicklung vor der Haustüre in die eigene Hand zu nehmen. Im Projekt „UrbanUp“ am transzent interessiert mich insbesondere, wie Stadtmacher*innen über ihre konkreten Projekte hinaus die Art und Weise, wie unsere Städte entwickelt werden, transformieren können.

Stadtmacher*innen bringen dabei in der Regel eine andere Zielorientierung mit als klassische wirtschaftliche Akteure: Oft geht es um Fragen des Gemeinwohls, der Teilhabe und alternativer Formen des Wohlstands, die vor Ort verhandelt werden. Dabei folgen sie auch einer alternativen Logik: Während in vielen konventionellen Projekten die Funktionen von Entwicklern und Nutzern klar getrennt sind, dreht sich das „Stadtmachen“ um das gemeinsame Gestalten von geteilten Räumen durch die Nutzer selbst. Ich frage mich, wie diese Art der Stadtentwicklung Verbreitung finden und auch in Politik und Verwaltung Anerkennung finden kann.

Für mich ist der Tag des guten Lebens in Wuppertal ein Prozess des Stadtmachens. Das gute Leben ist eine Antwort auf die Frage, welche Prinzipien im Zentrum einer Gesellschaft stehen sollten, die Wohlstand für alle auf zukunftsfähige Weise möglich macht. Am Tag des guten Lebens nehmen sich Bürger das Recht, auszuprobieren, was das in einem konkreten Stadtquartier bedeuten kann. Für einen Tag wird dabei sichtbar, wie eine Stadt entwickelt werden könnte, die auf den Prinzipien von Gemeinwohl, Koproduktion und Teilhabe fußt. Daher bringe ich mich neben meiner Arbeit am transzent gerne in die Arbeit des Beirats ein.

Meine Vision für ein gutes Leben in Wuppertal

Das gute Leben bedeutet, Wohlstand für alle auf zukunftsfähige Weise zu schaffen. „Alle“ schließt dabei sowohl Menschen in anderen Erdteilen als auch zukünftige Generationen ein. Meine Vision ist daher eine Stadtgesellschaft, die gemeinsam verhandelt, was es dafür braucht und sich immer wieder fragt, wie das mit möglichst geringem Fußabdruck verwirklicht werden kann. Sie ist neugierig und beantwortet diese Fragen auf forschende Weise. Sie befähigt die Bürger*innen im Kleinen, ihr Lebensumfeld gemeinsam zu gestalten und schafft im Großen einen Ausgleich über diese Orte hinweg. Sie ist zutiefst demokratisch, und sie ermöglicht aktiv die Teilhabe aller. Diese Stadtgesellschaft kommt bei sich selbst, in Wuppertal als konkretem Ort an, ohne sich der Welt zu verschließen.

Wie diese Stadt Wuppertal konkret aussehen wird, kann heute niemand sagen, aber es wird spannend, sie gemeinsam zu entwickeln.