Quartiersarbeit geht auch digital – und das klappt überraschend gut: Trotz Pandemie treffen sich Ostersbaumer Anwohner*innen und Interessierte seit Januar in Zoom-Konferenzen, um über neue und alte Ideen für das Viertel zu diskutieren. Es gilt, nachhaltige Konzepte zu entwickeln – von der interkulturellen Kommunikation bis zur Umgestaltung des Stadtteils. Dabei haben sich bereits feste Arbeitsgruppen gebildet, die z.B. eine Bücherbox auf dem Platz der Republik planen oder auch eine Gruppe, die sich mit dem Thema Mobilität beschäftigt: Platzmangel durch zuviele Autos, zugeparkte Gehwege, fehlende Zebrastreifen, ausbaufähiger Fahrradverkehr, Einsatz von CarSharing und vieles mehr.

Als „glückliche Fügung“ beschreibt Gabriele Kamp die Kooperation mit dem Projekt „Uptown Culture“ des Sinfonieorchesters Wuppertal, die gerade zusammen mit Ostersbaumer Musiker*innen an der Realisation eines Stadtteilorchesters mitwirken. Erster Auftritt ist am Tag des guten Lebens am 20. Juni geplant – ein verrücktes Platzkonzert mit Musiker*innen unterschiedlichster stilistischer Richtungen, kultureller Herkunft und Professionalität. Dabei sind Streicher*innen des Sinfonieorchesters, Amateur*innen, Profis und Chöre sowie Menschen, die ihr Instrument erst ein paar Stunden vorher aus alten Dosen und Verpackungen gebastelt haben. Einer der drei Songs, die performed werden sollen, ist übrigens „Imagine“ von John Lennon – in den unterschiedlichsten Sprachen.

Fest steht auch schon längst die Reaktivierung und konzeptionelle Neuausrichtung des Cafés im Nachbarschaftsheim – mit monatlichen Treffen, wo man sich zu kulturübergreifenden Themen austauschen, kochen, kreativ sein kann. Die erste Veranstaltung findet vorerst online statt. Gezeigt wird am 4. Mai der Film „Rum oder Gemüse“, der darlegt, wie Menschen in Nicaragua und Kuba ihre Ernährungssouveränität sicherstellen. Im Anschluss an den Film besteht Gelegenheit zum Gespräch mit den Filmemacher*innen und interessierten Bewohner*innen des Ostersbaums sowie Vertreter*innen von Foodsharing, urbaner Landwirtschaft und dem Wuppertaler Ernährungsrat.

Digital durch’s Quartier spazieren

In Vorbereitung auf den Tag des guten Lebens wurden in unterschiedlichen Wuppertaler Quartieren Visionsworkshops durchgeführt, bei denen Bewohner*innen, Initiativen und Vereine, Kultur, Wirtschaft und Politik diskutierten, wie ihr Stadtteil gestaltet sein soll, damit ein gutes und nachhaltiges Leben möglich ist. Im Ostersbaum gehörten dazu u.a. drei  Stadtteilspaziergänge, wobei Gabriele Kamp vom Nachbarschaftsheim von den digitalen Teilnehmenden live durchs Viertel gelenkt wurde, um dort über Probleme, Wünsche und Visionen zu sprechen.

Eine Präsentation auf dem Tag des guten Lebens setzt voraus, dass die Lockdown-Vorgaben dies zulassen. „Wenn nicht, müssen wir über andere Formate nachdenken“, so Alexandra Rosenbohm vom Nachbarschaftsheim zum Stand der Planungen.

Tatsächlich funktioniert der Tag des guten Lebens seit Jahren auch in anderen Städten bereits als eine Art Vehikel und Beschleuniger im Sinne für nachhaltige Nachbarschaftsarbeit, wobei von den Wuppertaler Organisator*innen besonders Wert auf den Zusammenhalt der Aktiven gelegt wird, sagt Gabriele Kamp: „Wir wollen die Menschen im Viertel nicht nur miteinander bekannt machen, sondern arbeiten auch für eine starke Gemeinschaft.“